Feuerrohbauversicherung

Die Feuerrohbauversicherung sichert dein im Bau befindliches Gebäude gegen Brand, Blitz und Explosion ab. Der Clou: Sie ist kein eigener Vertrag, sondern Teil deiner späteren Wohngebäudeversicherung — und in der Bauphase meist bis zu 24 Monate beitragsfrei. Du schließt also die Wohngebäudeversicherung schon vor dem ersten Spatenstich ab, dann ist der Rohbau gegen Feuer mitversichert, ohne dass dafür Beitrag anfällt. Brennt während des Baus etwa der Dachstuhl durch einen Kurzschluss ab (schnell 50.000–150.000 € Schaden), zahlt die Versicherung statt du.

Was deckt die Feuerrohbauversicherung ab?

Die Feuerrohbauversicherung schützt das Gebäude, solange es noch im Bau ist, gegen die klassischen Feuergefahren: Brand, Blitzschlag und Explosion — die drei Gefahren, die auch die GDV-Musterbedingungen für die Wohngebäudeversicherung (VGB) als Feuerschutz definieren. Mitversichert sind in der Regel auch Folgeschäden, etwa durch Rauch oder das Löschwasser der Feuerwehr, sowie die Baustoffe, die schon auf der Baustelle liegen.

Wichtig ist, was sie nicht abdeckt. Sturm, Hagel, Diebstahl von bereits verbauten Teilen, Vandalismus, Leitungswasser oder Schäden durch ungewöhnliche Witterung gehören nicht in die Feuerrohbauversicherung. Dafür gibt es einen eigenen Vertrag — die Bauleistungsversicherung. Beide ergänzen sich, und zwar bewusst: In vielen Bauleistungs-Policen sind Feuerschäden sogar ausdrücklich ausgeschlossen, weil genau dafür die Feuerrohbauversicherung zuständig ist.

(Manche Versicherer bündeln in ihrer Rohbau-Police mehr als nur Feuer und nehmen Sturm und Hagel mit auf, sobald das Gebäude “wetterfest” ist — also Dach, Fenster und Türen sitzen. Das ist aber eine Anbieter-Erweiterung, kein Standard. Verlass dich nicht darauf, sondern lies, was in deinen konkreten Bedingungen steht.)

Warum ist die Feuerrohbauversicherung beitragsfrei?

Das ist der Punkt, den die meisten Bauherren nicht kennen — und der bares Geld wert ist. Die Feuerrohbauversicherung ist kein eigener Vertrag. Du kannst sie nicht einzeln abschließen. Sie ist ein Bestandteil deiner Wohngebäudeversicherung, die du ja ohnehin für das fertige Haus brauchst.

Die Versicherer bieten diesen Feuerschutz für die Bauphase beitragsfrei an — typischerweise für bis zu 24 Monate ab Versicherungsbeginn. Je nach Anbieter kann die Frist auch nur 12 oder 6 Monate betragen. Die Logik dahinter: Der Versicherer will dich als Kunden für die spätere, beitragspflichtige Wohngebäudeversicherung gewinnen und legt den Feuerschutz für den Bau als Anreiz obendrauf.

Daraus folgt der entscheidende Schritt: Schließe die Wohngebäudeversicherung schon vor Baubeginn ab. Dann läuft die beitragsfreie Feuerrohbauphase ab dem ersten Tag, an dem auf der Baustelle etwas passieren kann. Schließt du erst während des Baus ab, ist der Rohbau bis dahin gar nicht gegen Feuer geschützt — und genau in der Rohbauphase, wenn Elektriker, Dachdecker und Trockenbauer mit offenem Feuer und Geräten arbeiten, ist das Risiko hoch.

Sobald das Haus bezugsfertig ist, endet die beitragsfreie Phase. Die Police wandelt sich automatisch in eine reguläre, beitragspflichtige Wohngebäudeversicherung um. Du meldest deinem Versicherer den Fertigstellungs- bzw. Bezugstermin — ab dann zahlst du den normalen Jahresbeitrag.

Beispiel: Dachstuhlbrand im Rohbau

Stell dir vor, dein Einfamilienhaus steht im Rohbau, der Dachstuhl ist gerade gerichtet. Durch einen Kurzschluss in einer Baustromverteilung fängt das Holz Feuer und der komplette Dachstuhl brennt ab.

  • Ohne Feuerrohbauversicherung: Du trägst den Schaden selbst. Für Abriss des verkohlten Dachstuhls, Entsorgung, neues Holz und Wiederaufbau kommen schnell 50.000 bis 150.000 € zusammen — zusätzlich zu der Bausumme, die du sowieso schon finanzierst.
  • Mit Feuerrohbauversicherung: Brand fällt klar unter den Feuerschutz. Die Versicherung reguliert den Schaden. Und das Beste: In der Bauphase hat dich diese Absicherung nichts gekostet, weil sie in der späteren Wohngebäudeversicherung enthalten ist.

Genau dieser Fall — Feuer in einer frühen, teuren Bauphase, in der noch keine Wohngebäudeversicherung im engeren Sinne läuft — ist der Grund, warum es die Feuerrohbauversicherung überhaupt gibt.

Das Versicherungs-Trio beim Bauen

Wer neu baut, hört von drei Versicherungen, die immer wieder zusammen genannt werden. Sie decken unterschiedliche Risiken ab und schließen sich nicht aus, sondern greifen ineinander:

VersicherungSchützt wen / wasTypische Schäden
Feuerrohbauversicherungdas Gebäude (Rohbau)Brand, Blitz, Explosion
Bauleistungsversicherungdas BauvorhabenSturm, Diebstahl verbauter Teile, Vandalismus, Leitungswasser, ungewöhnliche Witterung
Bauherren-Haftpflichtdich als Bauherr gegenüber DrittenPersonen- und Sachschäden, die deine Baustelle Dritten zufügt (z.B. Passant stürzt in die Baugrube)

Kurz gemerkt: Die Feuerrohbauversicherung zahlt, wenn das Gebäude brennt. Die Bauleistungsversicherung zahlt, wenn dem Bau durch Wetter, Diebstahl oder Pfusch etwas passiert. Die Bauherren-Haftpflicht zahlt, wenn deine Baustelle einem anderen Menschen schadet. Drei verschiedene Adressaten, drei verschiedene Verträge.

Worauf du achten kannst

  • Früh abschließen. Die beitragsfreie Phase nützt dir nur, wenn die Wohngebäudeversicherung bei Baubeginn schon läuft. Lieber ein paar Wochen vor dem ersten Spatenstich kümmern.
  • Auf die Dauer der Beitragsfreiheit schauen. 24 Monate ist verbreitet, aber nicht garantiert. Zieht sich dein Bau und die Frist ist auf 12 Monate begrenzt, könnte gegen Bauende eine Lücke entstehen. Manche Versicherer verlangen dann, dass du eine Verzögerung meldest.
  • Bezugsfertigkeit melden. Sobald du einziehst, geht die Police in die kostenpflichtige Wohngebäudeversicherung über. Vergisst du die Meldung, kann es im Schadensfall Streit über den richtigen Versicherungsumfang geben.
  • Bedingungen lesen statt annehmen. Ob dein Tarif nur Feuer oder auch Sturm/Hagel am Rohbau abdeckt, steht in den Versicherungsbedingungen — nicht in der Werbung. Was darüber hinaus fehlt, deckst du über die Bauleistungsversicherung ab.

Ob und welche dieser Versicherungen für dein konkretes Vorhaben sinnvoll sind, hängt von Bauweise, Bausumme und Bauzeit ab. Eine verbindliche Auswahl ist eine Frage für dich und einen unabhängigen Versicherungsberater — Hausbiber erklärt die Begriffe, vermittelt aber keine Verträge.

Häufige Missverständnisse

  • “Ich kaufe ein fertiges Haus, also brauche ich keine Feuerrohbauversicherung.” Richtig — die Feuerrohbauversicherung ist nur für die Bauphase relevant. Beim Kauf eines bestehenden Hauses übernimmst du nach § 95 VVG die laufende Wohngebäudeversicherung des Verkäufers und kannst sie nach § 96 VVG binnen eines Monats sonderkündigen, wenn du wechseln willst.
  • “Die Feuerrohbauversicherung schließe ich extra ab.” Geht nicht. Sie ist nur als beitragsfreier Bestandteil der Wohngebäudeversicherung zu haben.
  • “Beitragsfrei heißt, der Schutz ist schwächer.” Nein. In der Feuerrohbauphase gilt der reguläre Feuerschutz der Wohngebäudeversicherung — du zahlst dafür in dieser Zeit nur keinen Beitrag.
  • “Die Bauleistungsversicherung deckt doch Feuer mit.” Oft genau nicht: Feuerschäden sind in vielen Bauleistungs-Policen ausgeschlossen, weil die Feuerrohbauversicherung das übernimmt.

Wenn du in Hausbiber die Kaufnebenkosten und laufenden Kosten deiner Immobilie durchrechnest, gehört die spätere Wohngebäudeversicherung in dieselbe Rechnung. Der Feuerschutz in der Bauphase kostet dich nichts — der Jahresbeitrag danach aber schon, und den solltest du von Anfang an mit einplanen.

Häufige Fragen

Was kostet die Feuerrohbauversicherung?

In der Bauphase nichts. Sie ist als beitragsfreie Vorabdeckung in der Wohngebäudeversicherung enthalten — meist für bis zu 24 Monate, je nach Anbieter auch nur 12 oder 6 Monate. Beitrag fällt erst an, wenn das Haus bezugsfertig ist und die Police als reguläre Wohngebäudeversicherung weiterläuft. Für ein Einfamilienhaus liegt der Jahresbeitrag dann oft zwischen 200 und 700 €.

Brauche ich eine Feuerrohbauversicherung, wenn ich eine Bauleistungsversicherung habe?

Das sind zwei verschiedene Dinge, die sich ergänzen. Die Feuerrohbauversicherung deckt nur Brand, Blitz und Explosion. Die Bauleistungsversicherung deckt die übrigen Baurisiken: Sturm, Diebstahl fest verbauter Teile, Vandalismus, Leitungswasser, ungewöhnliche Witterung. Feuerschäden sind in der Bauleistungsversicherung oft sogar ausdrücklich ausgeschlossen — genau dafür ist die Feuerrohbauversicherung da.

Wann muss ich die Wohngebäudeversicherung für den Feuerschutz abschließen?

So früh wie möglich, idealerweise vor Baubeginn. Die beitragsfreie Feuerrohbauphase greift ab Versicherungsbeginn — schließt du erst während des Baus ab, ist der Rohbau bis dahin ungeschützt. Viele Banken verlangen den Nachweis ohnehin, bevor sie die Baufinanzierung auszahlen.

Was passiert mit der Versicherung, wenn ich ein bestehendes Haus kaufe?

Dann ist die Feuerrohbauphase längst vorbei — du übernimmst die laufende Wohngebäudeversicherung des Verkäufers. Nach § 95 VVG geht sie mit dem Eigentumsübergang automatisch auf dich über. Du hast ein Sonderkündigungsrecht: nach § 96 VVG kannst du binnen eines Monats ab Grundbucheintragung (oder ab Kenntnis vom Vertrag) kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln.

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