Abschlussgebühr

Die Abschlussgebühr ist eine einmalige Gebühr, die du beim Abschluss eines Bausparvertrags an die Bausparkasse zahlst. Sie beträgt 1 bis 1,6 % der Bausparsumme — also der ganzen Summe, die du ansparst und später als Darlehen abrufst, nicht deiner monatlichen Rate. Beispiel: Bei 50.000 € Bausparsumme und 1,6 % sind das 800 €. Sie wird meist aus deinen ersten Sparraten verrechnet, und bei einer Kündigung bekommst du sie in aller Regel nicht zurück.

Wie funktioniert die Abschlussgebühr?

Wenn du einen Bausparvertrag abschließt, legst du eine Bausparsumme fest — zum Beispiel 50.000 €. Das ist der Gesamtbetrag, den du in zwei Schritten erreichst: erst sparst du einen Teil davon an (oft 40 bis 50 %), dann bekommst du den Rest als Bauspardarlehen. Auf genau diese Bausparsumme berechnet die Bausparkasse die Abschlussgebühr.

Üblich sind 1 bis 1,6 % der Bausparsumme, je nach Anbieter und Tarif. Das steht in den Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge (ABB), die du beim Abschluss bekommst. Die Gebühr deckt den Vertriebsaufwand der Bausparkasse — also Provisionen und die Akquise neuer Verträge, die das Bausparmodell am Laufen halten.

Der entscheidende Punkt, den viele übersehen: Die Gebühr richtet sich nach der Bausparsumme, nicht nach deinem monatlichen Sparbeitrag und nicht nach dem, was du tatsächlich einzahlst. Eine höhere Bausparsumme bedeutet also direkt eine höhere Abschlussgebühr — auch wenn du den Vertrag am Ende vielleicht gar nicht voll besparst.

Beispiel: 50.000 € Bausparsumme mit 1,6 % Abschlussgebühr

Angenommen, du schließt einen Bausparvertrag über 50.000 € ab. Im Tarif ist eine Abschlussgebühr von 1,6 % vereinbart.

  • Bausparsumme: 50.000 €
  • Abschlussgebühr: 50.000 € × 1,6 % = 800 €

Diese 800 € zahlst du nicht extra aus der Tasche. Sie werden in den meisten Tarifen aus deinen ersten Sparraten verrechnet. Sparst du monatlich 200 €, sieht das so aus:

MonatDeine EinzahlungDavon in GuthabenDavon in Abschlussgebühr
1200 €0 €200 €
2200 €0 €200 €
3200 €0 €200 €
4200 €0 €200 €
ab Monat 5200 €200 €0 €

Erst nach vier Monaten ist die Gebühr abbezahlt — vorher baust du keinen einzigen Euro Guthaben auf. Dein Kontoauszug zeigt in dieser Zeit also einen Saldo von 0 €, obwohl du schon 800 € eingezahlt hast.

Bei der niedrigeren Variante von 1,0 % läge die Abschlussgebühr bei 500 € (50.000 € × 1,0 %). Bei einer größeren Bausparsumme von 100.000 € und 1,6 % wären es 1.600 € — bei 200 € Sparrate gingen dann die ersten acht Monate komplett für die Gebühr drauf.

Bekommst du die Abschlussgebühr zurück?

In aller Regel nein. Wenn du den Vertrag kündigst, bevor du ihn nutzt, ist die Abschlussgebühr verloren. Der Bundesgerichtshof hat das mit Urteil vom 7. Dezember 2010 (Az. XI ZR 3/10) bestätigt: Die Klausel ist wirksam, weil die Gebühr laufzeitunabhängig ist. Sie wird nicht für eine Leistung über die Zeit gezahlt, sondern für den Vertragsabschluss als solchen — der Bauspargemeinschaft kommt der Neuzugang an Verträgen zugute. Deshalb gibt es auch keine anteilige Erstattung, wenn du früh aussteigst. Die Wettbewerbszentrale hat diese Lesart in einer späteren Entscheidung noch einmal bekräftigt.

Es gibt zwei Konstellationen, in denen Geld zurückfließen kann:

  • Widerruf: Innerhalb der gesetzlichen Widerrufsfrist von 14 Tagen nach Vertragsabschluss kannst du den Vertrag widerrufen und bekommst die Abschlussgebühr zurück.
  • Tarifabhängige Bonusregelungen: Manche Tarife erstatten einen Teil der Abschlussgebühr, wenn du planmäßig sparst und am Ende kein Darlehen abrufst. Ob dein Tarif das vorsieht, steht in den ABB — pauschal verlassen kannst du dich nicht darauf.

Das macht die Abschlussgebühr zum klassischen Frühausstiegs-Risiko: Sie lohnt sich nur, wenn du den Vertrag auch durchziehst. Wer nach einem Jahr merkt, dass Bausparen doch nicht passt, hat die Gebühr in den Sand gesetzt.

Abschlussgebühr, Agio und Kontogebühr: drei verschiedene Posten

Beim Bausparen tauchen mehrere Gebühren auf, die leicht durcheinandergehen. Sie fallen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und auf unterschiedliche Beträge an:

  • Abschlussgebühr — einmalig beim Vertragsabschluss, 1 bis 1,6 % der Bausparsumme. Betrifft die Ansparphase.
  • Agio (Aufgeld) — ein Aufschlag auf das Bauspardarlehen, typisch 1 bis 2 % des Darlehensbetrags. Greift erst in der Darlehensphase nach der Zuteilung.
  • Jahresentgelt / Kontoführungsgebühr in der Ansparphaseunzulässig. Der BGH hat 2022 (Az. XI ZR 551/21) entschieden, dass Bausparkassen in der Ansparphase keine solchen Jahresgebühren erheben dürfen. Wurden sie dir berechnet, kannst du sie zurückfordern.

Merksatz: Die Abschlussgebühr zahlst du am Anfang auf die ganze Summe, das Agio später nur aufs Darlehen. Eine laufende Kontogebühr in der Ansparphase muss die Bausparkasse dir gar nicht erst berechnen.

Worauf du achten kannst

Die Abschlussgebühr verteuert dein Bausparen — und sie ist der Hauptgrund, warum sich ein Bausparvertrag erst nach einigen Jahren rechnet. Diese Punkte helfen beim Einordnen:

  • Über den Effektivzins vergleichen. Beim Bauspardarlehen muss die Abschlussgebühr in der Effektivzinsangabe stecken, soweit sie das Darlehen verteuert. Ein Tarif mit niedriger Abschlussgebühr ist nicht automatisch der günstigste — entscheidend ist das Gesamtbild aus Gebühr, Guthabenzins und Darlehenszins.
  • Bausparsumme nicht künstlich hochsetzen. Da die Gebühr an der Bausparsumme hängt, kostet jede Erhöhung bares Geld. Eine Bausparsumme, die deutlich über deinem realistischen Finanzierungsbedarf liegt, bläht die Abschlussgebühr unnötig auf.
  • Nur abschließen, wenn du es durchziehst. Weil es bei vorzeitiger Kündigung praktisch keine Rückerstattung gibt, trägt vor allem der Frühaussteiger die volle Gebühr ohne Gegenwert.

Ob sich ein Bausparvertrag mit seiner Abschlussgebühr für deine Situation lohnt, hängt von Sparzins, Darlehenszins, Laufzeit und davon ab, ob du das Darlehen überhaupt brauchst. Das ist eine individuelle Rechnung — eine verbindliche Einordnung deines konkreten Tarifs gehört in ein Gespräch mit der Bausparkasse oder einer unabhängigen Beratung.

Häufige Missverständnisse

  • “Die Abschlussgebühr berechnet sich von meinem Sparbeitrag.” Nein. Sie berechnet sich von der gesamten Bausparsumme. Bei 50.000 € Bausparsumme zahlst du dieselbe Gebühr, egal ob du 100 € oder 300 € im Monat sparst.
  • “Wenn ich kündige, bekomme ich die Gebühr anteilig zurück.” Nein. Anders als ein laufzeitabhängiges Entgelt wird die Abschlussgebühr nicht anteilig erstattet — der BGH hat sie ausdrücklich als laufzeitunabhängig eingestuft (Az. XI ZR 3/10).
  • “Abschlussgebühr und Agio sind dasselbe.” Nein. Die Abschlussgebühr fällt beim Abschluss auf die Bausparsumme an, das Agio später als Aufschlag auf das Darlehen. Es können beide nacheinander anfallen.
  • “Eine jährliche Kontogebühr in der Ansparphase ist normal.” Nicht mehr. Seit dem BGH-Urteil von 2022 sind solche Jahresentgelte in der Ansparphase unzulässig.

In Hausbiber rechnest du einen Bausparvertrag über alle Phasen durch — von der Ansparphase über die Zuteilung bis zur Tilgung des Darlehens. So siehst du mit deinen eigenen Zahlen, wie eine Abschlussgebühr deinen Guthabenaufbau am Anfang ausbremst, statt sie im Kleingedruckten der ABB zu übersehen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Abschlussgebühr beim Bausparvertrag?

Üblich sind 1 bis 1,6 % der Bausparsumme, je nach Anbieter und Tarif. Bei einer Bausparsumme von 50.000 € sind das zwischen 500 € und 800 €. Wichtig: Bemessungsgrundlage ist die volle Bausparsumme, nicht dein Sparbetrag oder deine Monatsrate.

Bekomme ich die Abschlussgebühr bei Kündigung zurück?

In aller Regel nein. Der BGH hat 2010 (Az. XI ZR 3/10) entschieden, dass die Abschlussgebühr laufzeitunabhängig ist und auch bei vorzeitiger Kündigung nicht anteilig erstattet werden muss. Nur beim Widerruf innerhalb der zweiwöchigen Widerrufsfrist nach Abschluss kannst du sie zurückverlangen.

Wovon wird die Abschlussgebühr berechnet — vom Sparbetrag oder von der Bausparsumme?

Von der Bausparsumme. Das ist die gesamte Summe aus angespartem Guthaben plus Bauspardarlehen — also der Betrag, auf den du den Vertrag abschließt. Erhöhst du die Bausparsumme später, fällt anteilig erneut Abschlussgebühr an.

Was ist der Unterschied zwischen Abschlussgebühr und Agio?

Die Abschlussgebühr fällt beim Vertragsabschluss in der Ansparphase an und richtet sich nach der Bausparsumme. Das Agio ist ein Aufschlag auf das Bauspardarlehen und greift erst in der Darlehensphase. Beide sind unterschiedliche Posten, die nacheinander anfallen können.

Darf die Bausparkasse zusätzlich eine Kontogebühr in der Ansparphase verlangen?

Nein. Der BGH hat 2022 (Az. XI ZR 551/21) entschieden, dass Jahresentgelte und Kontoführungsgebühren in der Ansparphase eines Bausparvertrags unzulässig sind. Solche Gebühren kannst du zurückfordern. Die Abschlussgebühr selbst bleibt davon unberührt und ist weiter zulässig.

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