Agio
Ein Agio (auch Aufgeld) ist ein Aufschlag auf dein Bauspardarlehen: Du schuldest der Bausparkasse mehr, als sie dir auszahlt. Beispiel: Du bekommst 60.000 € ausgezahlt, bei 2 % Agio beträgt deine Schuld aber 61.200 €. Die zusätzlichen 1.200 € zahlst du mit deinen normalen Raten zurück. Typisch sind 1 bis 2 % des Darlehensbetrags. Das Agio muss zwingend im Effektivzins stecken — und nicht jede Bausparkasse verlangt es.
Wie funktioniert ein Agio?
Ein Agio ist ein prozentualer Aufschlag, den manche Bausparkassen auf das Bauspardarlehen legen. Das Wort kommt aus dem Italienischen und bedeutet “Aufgeld”. Der Effekt: Auf dein Darlehenskonto wird ein bestimmter Betrag ausgezahlt — deine Schuld bei der Bausparkasse liegt aber höher.
Typisch sind 1 bis 2 % des Darlehensbetrags. Der Aufschlag wird zu deiner Darlehensschuld addiert und über die normalen Raten mitgetilgt. Du zahlst ihn also nicht separat aus der Tasche, sondern er erhöht still die Summe, die über die Laufzeit zurückfließt.
Wichtig fürs Verständnis: Das Agio betrifft die Darlehensphase eines Bausparvertrags, nicht die Ansparphase. Es greift erst, wenn dein Vertrag zugeteilt ist und du das Darlehen abrufst.
Beispiel: 60.000 € Bauspardarlehen mit 2 % Agio
Angenommen, dein Bausparvertrag wird zugeteilt und du rufst ein Darlehen über 60.000 € ab. Im Tarif ist ein Agio von 2 % vereinbart.
- Ausgezahlt bekommst du: 60.000 €
- Schuld bei der Bausparkasse: 60.000 € × 1,02 = 61.200 €
- Aufschlag durchs Agio: 1.200 €
Diese 1.200 € verschwinden nicht — sie sind Teil deiner Tilgung. Wenn dein Bauspardarlehen mit 2,5 % Nominalzins und einer hohen Anfangstilgung läuft (Bauspardarlehen tilgen meist deutlich schneller als klassische Bankdarlehen), erhöht das die Monatsrate spürbar:
| Variante | Schuld | Monatsrate (2,5 % Zins, 7 % Tilgung) |
|---|---|---|
| Ohne Agio | 60.000 € | 475,00 € |
| Mit 2 % Agio | 61.200 € | 484,50 € |
Die Rechnung folgt der gleichen Annuitätenformel, mit der auch Hausbiber rechnet: Jahresrate = Schuld × (Zins + Tilgung) ÷ 100, geteilt durch 12. Die Mehrbelastung von rund 9,50 € pro Monat klingt klein — über die Laufzeit summiert sich der Aufschlag aber, weil du auf die zusätzlichen 1.200 € auch noch Zins zahlst.
Bei 1 % Agio auf dieselben 60.000 € läge die Schuld bei 60.600 €, der Aufschlag also bei 600 €.
Agio und Disagio: das verwechselt fast jeder
Agio und Disagio klingen ähnlich, wirken aber genau gegenläufig:
- Agio (Aufgeld): Du bekommst den vollen Betrag ausgezahlt, schuldest aber mehr. Aufschlag obendrauf. Typisch beim Bauspardarlehen.
- Disagio (Damnum, Abgeld): Du bekommst weniger ausgezahlt, schuldest aber den vollen Nennbetrag. Im Gegenzug ist der Sollzins niedriger. Typisch beim klassischen Bankdarlehen, vor allem für Vermieter.
Merksatz: Beim Agio kommt etwas drauf, beim Disagio geht etwas ab. Beide verschieben die Kosten — und beide machen den genannten Nominalzins als Vergleichsgröße wertlos. Aussagekräftig ist nur der Effektivzins.
Worauf du beim Agio achten kannst
Das Agio ist kein Naturgesetz. Ob es anfällt, hängt vom gewählten Bauspartarif ab — nicht jede Bausparkasse verlangt eins. Zwei Dinge sind beim Vergleich entscheidend:
- Immer über den Effektivzins vergleichen. Das Agio muss laut Preisangabenverordnung im effektiven Jahreszins enthalten sein. Genau dafür gibt es ihn: Er macht versteckte Aufschläge sichtbar. Die Verbraucherzentrale beschreibt einen Fall, in dem ein Nominalzins von 0,45 % durchs Agio auf 1,99 % Effektivzins stieg. Ein Tarif mit höherem Nominalzins, aber ohne Agio kann am Ende günstiger sein.
- Nach einem Tarif ohne Agio fragen. Da nicht alle Anbieter ein Agio erheben, lohnt sich der Tarifvergleich. Ob ein Tarif mit oder ohne Agio für dich günstiger ist, hängt von Darlehenshöhe, Zins und Laufzeit ab — das rechnest du am besten konkret durch, statt dich auf eine Faustregel zu verlassen.
Ob sich ein bestimmter Tarif lohnt, ist eine individuelle Rechnung und keine pauschale Antwort. Eine verbindliche Einordnung deines konkreten Angebots gehört in ein Gespräch mit der Bausparkasse oder einer unabhängigen Beratung.
Das BGH-Urteil 2016 und warum es das Agio gibt
Hinter dem Agio steckt ein Stück Rechtsgeschichte. Früher verlangten viele Bausparkassen beim Darlehensabruf eine Darlehensgebühr von rund 2 % der Kreditsumme. Der Bundesgerichtshof hat diese Gebühr mit Urteil vom 8. November 2016 (Az. XI ZR 552/15) für unzulässig erklärt — die Verbraucherzentrale NRW hatte gegen die Bausparkasse Schwäbisch Hall geklagt.
Die Begründung: Die Gebühr war laufzeitunabhängig und wälzte den eigenen Verwaltungsaufwand der Bausparkasse auf den Kunden ab, ohne eine Gegenleistung. Nach dem Urteil führten einige Bausparkassen stattdessen ein Agio ein. Der Unterschied zur gekippten Pauschalgebühr: Ein echtes Agio gilt als zinsähnliches Entgelt, das im Effektivzins steckt und bei vorzeitiger Rückzahlung anteilig erstattet werden kann.
Ob ein konkretes Agio im Einzelfall rechtlich genauso angreifbar ist wie die alte Darlehensgebühr, ist umstritten und hängt vom Wortlaut der Vertragsklausel ab. Das ist eine rechtliche Frage für den Einzelfall — bei Zweifeln hilft die Verbraucherzentrale weiter.
Häufige Missverständnisse
- “Das Agio ist eine einmalige Gebühr, die ich extra zahle.” Nein. Es wird zu deiner Darlehensschuld addiert und über die regulären Raten mitgetilgt. Du merkst es an einer leicht höheren Schuld und Rate, nicht an einer separaten Rechnung.
- “Niedriger Nominalzins heißt günstiges Darlehen.” Gerade beim Bauspardarlehen kann ein winziger Nominalzins durchs Agio teuer werden. Der Effektivzins ist die ehrliche Zahl.
- “Agio und Abschlussgebühr sind dasselbe.” Nein. Die Abschlussgebühr (oft rund 1 % der Bausparsumme) fällt schon beim Vertragsabschluss in der Ansparphase an. Das Agio betrifft erst das Darlehen in der Darlehensphase.
In Hausbiber rechnest du ein Bauspardarlehen über mehrere Phasen durch — von der Ansparphase über die Zuteilung bis zur Tilgung. So siehst du mit deinen eigenen Zahlen, wie sich ein Aufschlag wie das Agio auf Schuld und Monatsrate auswirkt, statt es im Kleingedruckten zu übersehen.
Häufige Fragen
Was ist ein Agio einfach erklärt?
Ein Agio ist ein Aufschlag auf dein Bauspardarlehen. Du bekommst weniger ausgezahlt, als du zurückzahlen musst. Bei 60.000 € Auszahlung und 2 % Agio schuldest du 61.200 €. Die 1.200 € Differenz tilgst du über deine normalen Raten mit. Typisch sind 1 bis 2 % des Darlehensbetrags.
Was ist der Unterschied zwischen Agio und Disagio?
Beim Agio schuldest du mehr, als du ausgezahlt bekommst — der Aufschlag erhöht deine Schuld. Beim Disagio ist es umgekehrt: Du bekommst weniger ausgezahlt, schuldest aber den vollen Nennbetrag, dafür sinkt der Sollzins. Das Agio findest du beim Bauspardarlehen, das Disagio bei klassischen Bankdarlehen.
Ist ein Agio verhandelbar?
Ob ein Agio anfällt, hängt vom gewählten Bauspartarif ab — nicht jede Bausparkasse verlangt eins. Vor dem Abschluss nach einem Tarif ohne Agio zu fragen oder Tarife zu vergleichen, kann sich rechnen. Verglichen wird immer über den Effektivzins, weil das Agio dort enthalten sein muss.
Erhöht das Agio den Effektivzins?
Ja. Das Agio muss laut Preisangabenverordnung im effektiven Jahreszins enthalten sein. Ein niedriger Nominalzins kann durch ein Agio deutlich teurer werden — in einem Fall hob das Agio einen Nominalzins von 0,45 % auf 1,99 % Effektivzins. Deshalb vergleichst du Tarife über den Effektivzins, nicht über den Nominalzins.